Ein Berg spiegelt sich in einem ruhigen Gewässer

Fotofinish

Kiki Hendriks

Von Mai bis September ist für Kiki Hendriks Wettkampfsaison. Die niederländische paralympische Athletin, die sich auf Weitsprung und 100-Meter-Lauf spezialisiert, hat an Meisterschaften auf höchstem Niveau teilgenommen – zuletzt bei den Sommer-Paralympics 2024 und der Para-WM in Leichtathletik 2025, wo sie eine Silbermedaille im Weitsprung T64 gewann.

„Im Winter trainiert man und im Sommer sieht man die Ergebnisse“, erklärt sie, und beschreibt damit den zermürbenden Zeitplan aus Vorbereitung und Wettkampf. „Man trainiert und trainiert, treibt sich an, um ein paar Zentimeter höher zu springen oder seine Sprintzeit um den Bruchteil einer Sekunde zu verkürzen, und die Wettkämpfe finden während der Saison fast jede Woche statt. Aber es ist gut, immer weiterzumachen. Nur so kommt man zum Moment, an dem sich deine Bemühungen auszahlen.“

Im Leistungssport sind Entschlossenheit, Anstrengung und Mut unverzichtbar, doch für Kiki, die im Alter von zwei Jahren ihren linken Unterschenkel, ihre rechte Hand und die Finger ihrer linken Hand und als Teenagerin zusätzlich ihren rechten Unterschenkel verlor, sind diese Eigenschaften einfach ein wesentlicher Bestandteil ihres Allags. Sie hat denselben Leistungsdrang auch in ihre Fotografie gesteckt, obwohl die Vorteile, wie sie sagt, sich unterscheiden.

Großer Vogel mit Stroh im Maul © Kiki Hendriks | Sony α1 II + FE 200-600mm f/5.6-6.3 G OSS | 1/1250s @ f/6.3, ISO 2000

„Ich bin eigentlich schon vor der Leichtathletik in die Fotografie eingestiegen“, erklärt sie, „und von Anfang an war das für mich eine Flucht, und eine Chance, die Freude an der Natur mit etwas Kreativem zu kombinieren. Meiner Großmutter gefiel es“, erinnert sie sich, „und sie lieh mir ihre Kamera zum Experimentieren aus. In der Schule ermutigte mich auch ein Lehrer, also nahm ich an Fotoaustauschwochen mit Schülern aus Polen teil. Das gab mir viele Gelegenheiten, zu fotografieren und andere zu treffen, die sich auch für das Fotografieren begeisterten.“

Nordlichter spiegeln sich im Meer © Kiki Hendriks | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM II | 1/160s @ f/2.8, ISO 100

„Heute ist meine Fotografie eine perfekte Abwechslung von der Routine aus Trainings und Wettkämpfen“, fährt Kiki fort, „und an meinen Ruhetagen gehe ich fast immer mit meiner Kamera raus. Ich liebe es, im Park und auf den Feldern spazieren zu gehen oder mich hinzusetzen und darauf zu warten, dass sich vor meinen Augen ein interessanter Moment entfaltet. Es ist sehr entspannend, sich in diesen Umgebungen zu befinden, denn obwohl das Leben einer Leichtathletin sehr schnell ist, genieße ich es, mit meiner Kamera einen Gang herunterzuschalten, zu warten und geduldig zu sein.“

Kiki lebt in Amsterdam und besucht oft die Amsterdamse Waterleidingduinen, ein geschütztes 3.400 Hektar großes Naturschutzgebiet an der Küste zwischen Zandvoort und Noordwijk, um sich ihrer Wildlife-Fotografie hinzugeben. Als Heimat von Damhirschen, Füchsen und über 100 brütenden Vogelarten ist es eine abwechslungsreiche Umgebung für Naturliebhaber wie sie, auch wenn sie im Urlaub auch Landschaften fotografiert und ihre Konkurrenten in der Zeit zwischen den Veranstaltungen vom Streckenrand aus dokumentiert

Nahaufnahme einer blauen Blume © Kiki Hendriks | Sony α7R III + 105mm f/2.8 Macro | 1/250s @ f/2.8, ISO 100

„Ich liebe es, an Orte wie die Waterleidingduinen zu gehen, weil es dort immer Wildtiere zu fotografieren gibt“, sagt sie. „Und ich war schon sehr früh davon fasziniert, kleine Tiere, Insekten und Vögel zu fotografieren, vor allem mit einem Makroobjektiv, mit dem ich Details sehen konnte, die ich sonst nie sehen würde. Makro ist auch etwas, bei dem ich mit der Schärfe spielen kann, was ich schon immer gerne getan habe. Man ist so nah am Motiv, dass im Hintergrund und Vordergrund immer viel Unschärfe herrscht und sich das Zusammenspiel des Fokus schon bei kleinsten Bewegungen ändert. Das fasziniert mich.“

Kiki macht auch gerne Nahaufnahmen mit Nicht-Makro-Objektiven, wie ihrem Sony FE 200-60 0mm f/5.6-6.3 G OSS. „Es ist überraschend, wie nah man mit diesem Objektiv herankommen kann“, berichtet sie über eine kürzliche Begegnung mit einer Libelle. „Ich ging an diesem Tag raus, um die Rehe zu fotografieren, aber ich ging versehentlich zum falschen Eingang des Parks und es waren keine Rehe da. Als ich nach Hause ging, hielt ich an, um mich ins Gras zu setzen und etwas zu trinken, und dann bemerkte ich, wie die Libellen um mich herum umherflogen. Erst dachte ich, dass ich nicht das richtige Objektiv dabei hätte – aber ich beschloss, es trotzdem zu versuchen. Und dann landete die Libelle, auf die ich gewartet hatte, an genau der richtigen Stelle.“

Eine Wespe auf einer roten Blume © Kiki Hendriks | Sony α1 II + 100mm f/2.8 Macro | 1/2000s @ f/13, ISO 4000

Angesichts der körperlichen Herausforderungen, mit denen sie seit ihrer Kindheit konfrontiert ist, mag es für einige unmöglich erscheinen, dass sie ein so großes Objektiv und eine so ausgeklügelte Kamera wie ihre aktuelle Sony α 1 II verwendet. Für Kiki ist das jedoch nur eine weitere Hürde, die es zu überwinden gilt. „Für mich ist es normal, härter arbeiten zu müssen als andere, denn die Welt ist für Menschen mit zwei Händen gemacht! Am rechten Arm trage ich eine Handprothese, die sich öffnen und schließen lässt, und ich benutze sie oft, um das Objektiv auszubalancieren. Dann ändere ich mit dem Daumen an meiner linken Hand die Einstellungen und drücke den Verschluss. Mein Daumen rettet mich, denn ohne ihn wäre es viel schwerer!“

Die Verwendung von Zubehör wie einem Monopod und einem Gimbal-Kopf hilft ebenfalls bei der Stabilisierung, erklärt Kiki, ebenso wie der gelegentliche Einsatz eines Kabelfernauslösers für den Verschluss. Aber wie auch bei ihren sportlichen Erfolgen sind eine positive Einstellung und Übung das, was alles zusammenhält. „Bei der Fotografie habe ich mir einfach Zeit gelassen“, sagt sie. „Einige Dinge funktionierten und andere nicht. Für mich ist nichts unmöglich, solange man sich Mühe gibt. Es gibt immer einen Weg, an sein Ziel zu kommen.“

Eine elster kurz davor auf einem Ast zu landen © Kiki Hendriks | Sony α1 II + FE 200-600mm f/5.6-6.3 G OSS | 1/3200s @ f/6.3, ISO 160

„Mehrere Funktionen meiner Sony α 1 II sind ebenfalls hilfreich, wie zum Beispiel die Möglichkeit, die Eingaben an der Kamera und am Objektiv anzupassen“, sagt sie. „Das gilt insbesondere für den AF, den ich den Tasten zuordne, die für mich leichter zu erreichen sind. Und die AF-Leistung der Kamera ist im Allgemeinen unglaublich wichtig. Ich kann den Autofokus tatsächlich so einstellen, dass er ein bestimmtes Motiv verfolgt, und zwar überall im Bild, ohne dass ich zusätzliche Eingaben machen und mich stattdessen auf die Komposition konzentrieren kann. Der Autofokus und die Bildwiederholrate sind außerdem schnell genug, um jedes beliebige Wildtiermotiv zu erfassen.“

„Die Steady-Shot-Bildstabilisierung im Kameragehäuse und in den Objektiven hilft mir ebenfalls dabei, Motive zu verfolgen“, fährt sie fort, „oder wenn ich die Komposition schnell ändern muss und etwas aus dem Gleichgewicht gerate. Und auch die Leichtigkeit meiner Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle, vor allem, weil ich sie die meiste Zeit über auf meinem rechten Arm balancieren muss. Als ich vor zehn Jahren anfing, waren sowohl Kameras als auch Objektive viel größer und schwerer, aber Modelle wie das FE 24-70 mm24-70mm f/2.8 GM II, das ich für Landschaftsaufnahmen verwende, sind seitdem erheblich leichter geworden.“

Ein einsamer Baum am Strand in der Sonne © Kiki Hendriks | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM II | 1/640s @ f/13, ISO 320

Abseits des Wettbewerbs auf der Rennstrecke, wenn sie ihre Kamera nutzt, sieht und fühlt Kiki Dinge, die ihr normalerweise entgehen würden, sagt sie. „Ich bin beobachtender und präsenter, und das hat mir auch dabei geholfen, mich anderen Menschen gegenüber zu öffnen“, sagt sie abschließend. „Als ich anfing, war ich ein schüchternes Kind, aber die Fotografie hat mir geholfen, das zu überwinden. Die Begeisterung, die ich dafür hatte, half mir, bei anderen Fotografen Anschluss zu finden – Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilten.“

„Wenn ich an Wettkämpfen teilnehme, trainiere und reise, nimmt das 90 % meiner Zeit in Anspruch, und oft sehe ich nur das Innere von Flughäfen, Bussen und Stadien. Natürlich liebe ich es, ein Teil dieser Welt zu sein, aber dadurch wird auch die Zeit, in der ich mit meiner Kamera unterwegs bin, noch spezieller. Mein Traum ist es, die α 1 II mit auf eine Safari zu nehmen, was ich nach der Teilnahme an den Paralympics 2028 hoffentlich tun können werde. Ich werde weiter daran arbeiten, beide Ziele zu erreichen.“

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