Die Schöne und das Biest

Javier Aznar

„Wenn die Leute über Reptilien, Amphibien, Insekten und Spinnen sprechen, sagen sie sehr oft, dass sie hässlich sind“, überlegt Javier. „Nachdem sie aber Fotos in Nahaufnahme gesehen haben, erkennen sie hoffentlich, wie schön sie wirklich sind.“

Wir sprechen über Javiers preisgekrönte Makro-Naturaufnahmen und insbesondere darüber, was ihn antreibt, seine Subjekte auszuwählen: Frösche und Kröten, Spinnen und Skorpione. Das kommt durch seine Erziehung, meint er. Oder genauer gesagt durch seinen Wunsch, andere etwas zu lehren. 

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Makroaufnahme einer Heuschrecke vor schwarzem Hintergrund

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 50 mm f/2,8 Makro | 1/200 s @ f/16, ISO 50

Bis hin zur Liebe ist es für einige bestimmt ein langer Weg. Um etwas zu bewegen, muss man aber nur die Art verändern, wie Menschen diese Lebewesen sehen. Dies gilt insbesondere, wenn es um den Naturschutz geht, der Javier wie allen Biologen sehr am Herzen liegt. Ein Projekt, das ihm eine Herzensangelegenheit ist, ist „Meet Your Neighbours“, das Menschen mittels der Kraft der Fotografie die beeindruckenden Lebewesen zeigt, die in ihrer Umgebung leben.

„Man schützt nicht, was man hasst“, erklärt er. „Dem versuchen wir entgegenzutreten. Wir wollen das Denken der Menschen verändern, damit sie ihre Umwelt besser schützen. Wenn sie eine Schlange oder eine Spinne sehen, die auf wunderschöne Weise fotografiert wurde, die ihr natürliches Verhalten zeigt, dann werden sie sie nicht töten, sondern versuchen, sie zu schützen und mit Respekt zu behandeln. Die Fotografie hat die Kraft, dies zu bewirken.“

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Makroaufnahme einer Spinne in ihrem Netz

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 90 mm f/2,8 Makro | 1/60 s @ f/10, ISO 250

Eine wirklich große Rolle spielt hier die biologische Vorstellung des erlernten Verhaltens – also der Wesenszüge, die wir im Laufe unseres Lebens erwerben. Javier versucht nicht nur, anderen dies näher zu bringen, es hat auch sein eigenes Leben und seine Arbeit geprägt. „Bei unseren Reaktionen auf diese Tierarten geht es weitaus mehr um Erziehung als um Veranlagung. Im Regenwald sieht man Kinder, die mit Vogelspinnen und Skorpionen spielen. Sie haben keine Angst, behandeln die Tiere aber trotzdem mit Respekt. Wenn man dagegen in einer Umgebung aufwächst, in der die Familie sagt, dass ein Tier gefährlich ist und man sich fernhalten soll, wie kann man dann zu einem anderen Menschen werden?“

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Extreme Nahaufnahme einer Blüte

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 90 mm f/2,8 Makro | 1/500 s @ f/2,8 ISO 500

Zu Javiers erlerntem Verhalten gehörte von klein auf die Faszination für die Lebewesen in seiner Umgebung. Er wuchs in Spanien auf dem Land auf und trieb sich ständig in der Natur herum. Mit 14 schenkten ihm seine Eltern eine kleine Digitalkamera, mit der er festhalten konnte, was ihn interessierte. Der Rest nahm, wie man zu sagen pflegt, seinen natürlichen Verlauf. Mit 18 begann er, mit einer Spiegelreflexkamera und einem Makroobjektiv zu fotografieren. Die damit aufgedeckten unglaublichen Details verstärkten seine Faszination für das Thema noch weiter. An der Universität studierte er Biologie und widmete sich nach seinem Abschluss in Vollzeit der Naturfotografie.

Hilft ihm sein Abschluss als Biologe bei dem, was er heute macht? „Es hilft mir sicher dabei, geduldig zu sein“, erklärt er lachend, „weil ein großer Teil der Arbeit als Biologe darin besteht, etwas zu beobachten – eine Reaktion oder ein Verhalten des studierten Subjekts – und es dann festzuhalten. Als Biologe, der in einem Labor arbeitet, zeichnet man dafür Daten auf, für einen Zoologen wie mich, der draußen arbeitet, ersetzt das Foto die Daten. Als Biologe sucht man auch nach interessanten Geschichten und Subjekten. Man gelangt an erstaunliche Orte und findet Spezies, die noch nie studiert wurden, und kann das Gelernte weitergeben.“

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Makroaufnahme zweier Käfer, die sich auf einer Blüte paaren

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 50 mm f/2,8 Makro | 1/50 s @ f/14 ISO 64

Das Aufzeichnen von Verhalten ist das zentrale Ziel, das Javier mit seinen Bildern erreichen will. Für ihn stellt sich der Erfolg ein, wenn es ihm gelingt, dieses mit unverfälschter Ästhetik zu kombinieren – ein großartiger Moment in Kombination mit einer großartigen Komposition und großartigem Licht.

„Die besten Fotos, die ich gemacht habe, waren die, auf denen eine Handlung oder ein Verhalten des Subjekts zu sehen ist, auf denen man gleichzeitig aber auch Schönheit sieht. Diese beiden Elemente müssen in Kombination vorliegen.“

„Das Problem“, führt Javier weiter aus, „besteht darin, dass heutzutage fast jeder ein hübsches Foto machen kann. Ich möchte den Moment festhalten, in dem etwas Wichtiges stattfindet. Auch hier ist es hilfreich, dass ich Biologe bin, weil mir meine Erfahrung hilft, das Subjekt zu verstehen und vorherzusehen, was als nächstes passieren wird. Dies hilft mir als Fotografen, einen entscheidenden Moment einzufangen.“

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Nahaufnahme eines gelben Insekts auf gelbem Blütenblatt

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 50 mm f/2,8 Makro | 1/160 s @ f/9,0 ISO 320

Das bringt uns direkt zu seinem jüngsten Erfolg beim Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year (WPOTY) 2018“, bei dem er den Portfolio Award gewonnen hat. Eines der darin enthaltenen Bilder ist die beschützende Mutter (Mother Defender), ein Portrait einer etwa 1 cm großen Buckelzikade, die ihren Nachwuchs an der Unterseite eines Stängels beschützt, indem sie den dornartigen Fortsatz auf ihrem Rücken nutzt, um Angreifer zu vertreiben. Für Javier ist dieses Portfolio seine stärkste Bilderserie, in der die Mischung aus Natur und Schönheit festgehalten ist, die er anstrebt. „Ich bin stolz auf diese Bilder, weil sie die richtige Mischung aus einem einzigartigen Moment im Leben des Subjekts und einer fesselnden Erzählung haben.“

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Silhouette einer an einem Zweig hängenden Grille

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 100-400 mm f/4,5-5,6 GM OSS | 1/4000 s @ f/5,6, ISO 2000

Er hat sich besonders darüber gefreut, dass er die Kategorie „Portfolio“ gewonnen hat, weil ihm diese die Möglichkeit gibt, etwas Wichtigeres zu erreichen. Er erklärt, dass sie für ihn eine der wichtigsten Kategorien des Wettbewerbs ist, weil man eine Geschichte erzählen oder längere Zeit mit einem bestimmten Subjekt arbeiten kann. „Leute, für die ich Respekt empfinde, wie die vom National Geographic, für die ich fotografiert habe, haben ebenfalls den Portfolio Award gewonnen. Ich empfinde ihn daher als große Ehre.“

Je länger das Objektiv ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man ein schreckhaftes Subjekt stört. Daher benutzt Javier mit dem FE 50 mm f/2,8 Makro und dem FE 90 mm f/2,8 Makro entsprechende Objektive für seine α7R III. „Das sind meine am häufigsten verwendeten Objektive, wobei es natürlich absolut vom Subjekt abhängt. Die zusätzliche Reichweite des 90-mm-Objektivs kann sehr hilfreich sein, ich benutze aber auch das FE 28 mm f/2, wenn ich ein Tier in seiner Umgebung zeigen will. Auch das FE 100-400 mm f/4,5-5,6 GM ist toll, weil es knapp unter einem Meter fokussiert. Damit kann ich Subjekte wie Schmetterlinge fotografieren, wobei ich es auch für Vögel, Säugetiere und größere Lebewesen verwende.“

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Profilaufnahme eines Hornfroschs

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 90mm f/2,8 Makro | 1/200 s @ f/2,8 ISO 50

Froh ist er über den Serienbildmodus seiner α7R III mit bis zu 10 Bildern pro Sekunde und den Lautlos-Modus, in dem die Kamera ganz ohne Verschlussgeräusch arbeitet. Diese Funktionen sind perfekt für seine Arbeit mit der schreckhaften Fauna geeignet, da „die Kombination einer hohen Bildwiederholrate mit der Lautlosigkeit dafür sorgt, dass ich exakt den gesuchten Augenblick festhalten kann. Ich finde auch das EVF sehr nützlich, besonders für Makroaufnahmen mit sehr geringer Tiefenschärfe, weil ich das Fokus-Peaking im Sucher nutzen kann und so sicherstelle, dass das Subjekt absolut scharf ist. Und ich scheue mich überhaupt nicht, den ISO-Wert zu erhöhen. Ich weiß, dass ich damit gute Qualität erhalte.“

Javier Aznar Sony Alpha 7RIII Aus Bläschen schauender Kopf eines Froschs

© Javier Aznar | Sony α7R III + FE 50 mm f/2,8 Makro | 1/200 s @ f/10 ISO 160

Hat er jemals ein Verhalten falsch interpretiert? Oder war zu nah an einem potenziell gefährlichen Subjekt? „Es stimmt, dass viele Reptilien und Insekten giftig sind,“ erklärt Javier, „sie sind aber nicht gefährlich, solange man sie respektiert. Sie fühlen sich erst bedroht, wenn man sie berührt oder in die Hand nimmt. Dann greifen sie an. Sie beißen uns nicht aus reinem Vergnügen. So gesehen wird einem klar, dass es der Mensch ist, der gefährlich ist. Ich fürchte mich in der Natur nur vor Menschen, nicht vor den Tieren!“

Produkte in diesem Artikel

ILCE-7RM3

α7R III 35-mm-Vollformatkamera mit Autofokus

SEL50M28

FE 50 mm F2,8 Makro

SEL90M28G

Makro G OSS mit FE 90 mm F2,8

SEL100400GM


FE 100-400 mm f/4,5-5,6 GM OSS

Javier Aznar
Alpha Universe

Javier Aznar

Spanien

Um etwas zu bewahren, müssen wir erst kennen- und lieben lernen, was wir verlieren könnten. Die Fotografie ist ein nützliches Werkzeug, um uns zu sensibilisieren und uns zu zeigen, was uns umgibt. Ich versuche, mit meiner Kamera Tiere in ihrer reinsten Form darzustellen – aus biologischer, gleichzeitig aber auch künstlerischer Sicht.

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