Alpha Universe-Geschichte im Detail

Meine Aufnahmetechnik | Reportage mit Tomasz Tomaszewski

Mit zunehmendem Alter wächst mein Respekt vor der Fotografie. Ich kenne jedoch inzwischen auch ihre Grenzen. Ich versuche nach wie vor, mit meinen Bildern Geschichten zu erzählen. Allerdings möchte ich nicht einfach mehr nur etwas dokumentieren oder zeigen, wie die Welt aussieht. Ich habe gelernt, dass die Wahrheit ganz eng mit der Person verknüpft ist, die die Aufnahme macht. Die Kamera eignet sich prima, um deine aufrichtige Idee davon zu vermitteln, worum es im Leben geht. Nehmen wir beispielsweise die Bilder, in denen die gleichen Geschichten immer wieder zu sehen sind – im Form von Fotos, im Fernsehen oder im Film. Was uns begeistert, ist weniger, wie Dinge aussehen, als die Tatsache, wie unterschiedlich wir sie darstellen können.

Tomasz Tomaszewski Sony Alpha 7RM3 Großgewachsene Kenianerin bei einem noch unfertigen Dachaufbau

© Tomasz Tomaszewski | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/250s @ f/6.3, ISO 100

Meine neuesten Bilder sind auf einer Reise nach Kenia entstanden. Sie zeigen eine Gegend, die vom Tourismus und dem modernen westlichen Leben bisher weitgehend unberührt ist. Ich wollte Menschen erleben, die zurechtkommen müssen ohne Handys, Medikamente oder andere nützliche Errungenschaften aus den letzten 50 Jahren. Die Bilder sind keine Geschichte, sondern eine Sammlung von Eindrücken. Wie immer hoffe ich, dass ein oder zwei Bilder die Menschen überraschen werden. Ein Foto, das keinen Anklang findet oder den Betrachter zum Nachdenken anregt, ist nur eine leere Hülle.

Tomasz Tomaszewski Sony Alpha 7RM3 Kenianerin hält eine Holzstange und posiert für die Kamera

© Tomasz Tomaszewski | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/125s @ f/4.5, ISO 320

Farbfotografie

Das gilt auch für meine Aufnahmen aus Kenia: Ich habe Menschen bei alltäglichen Dingen fotografiert. Ich wollte Bilder schaffen, die den Moment, wie ich ihn bei der Aufnahme erlebt habe, möglichst genau wiedergeben. Durch die entsprechende Brennweite und Farbwahl wollte ich diese Idee bestmöglich umsetzen. Die Schwarz-Weiß-Fotografie hat beispielsweise eine abstrakte Qualität. Für mich birgt sie eine unglaubliche emotionale Kraft und wirkt eleganter. Diese Ausdrucksstärke lässt sich in Farbaufnahmen meist nur schwer umsetzen. Viele Fotografen neigen daher dazu, ihre Bilder durch ein gestaltetes Setting hervorzuheben.

Tomasz Tomaszewski Sony Alpha 7RM3 Kenianisches Mädchen mit rotem Tuch um den Kopf, begleitet von einer Ziegenherde

© Tomasz Tomaszewski | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/200s @ f/9.0, ISO 100

Die Ausrüstung

Um meine Idee bei der Aufnahme umzusetzen, versuche ich, die Dinge so einfach wie möglich zu halten. Ich fotografiere hauptsächlich mit einer Sony α7R III und dem FE 24–70 mm f/2.8 GM-Objektiv. Diese Kombination ermöglicht es mir, das Motiv extrem schnell zu fokussieren, um den gewünschten Moment einzufangen. Die meisten meiner Aufnahmen fotografiere ich in sehr kurzer Entfernung vom Motiv. Ich habe tatsächlich eine spezielle Markierung auf meinem Objektiv, die die ungefähre Brennweite von 35 mm anzeigt. Das ist die Brennweite, die ich einfach am häufigsten für meine Aufnahmen nutze.

Tomasz Tomaszewski Sony Alpha 7RM3 Profil eines kenianischen Mädchens mit kunstvoll geflochtenem Haar

© Tomasz Tomaszewski | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/320s @ f/8.0, ISO 100

Wenn ich auf die Geschichte der Fotografie zurückblicke, finde ich es erstaunlich, wie viele Bilder mit nur zwei Brennweitenobjektiven aufgenommen wurden: Es gibt die 50-mm-Brennweite, die vielleicht schönste, die aber auch schwierig zu handhaben ist, und es gibt die 35-mm-Brennweite. Mit längeren Brennweiten fühlt man sich wie ein heimlicher Beobachter, denn sie trennen Fotograf und Motiv; machen es zu einem Objekt auf einer Bühne.

Tomasz Tomaszewski Sony Alpha 7RM3 Kenianerin posiert für die Kamera, im Hintergrund ist ein schlafender Hund zu sehen

© Tomasz Tomaszewski | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/125s @ f/5.6, ISO 1600

Aus welchem Grund haben Fotografen eine Vorliebe für Objektive mit 35 mm und 50 mm? Wahrscheinlich, weil sie sehr stark dem menschlichen Blickfeld entsprechen. Wenn man ein 24-mm- oder 28-mm-Objektiv verwendet, verwandelt sich sogar ein langweiliges Setting in etwas interessantes – man blickt durch den Sucher und kann über das oberflächlich Sichtbare hinausblicken: Unser Gehirn erkennt durch das Objektiv etwas anderes als bei der Betrachtung mit bloßem Auge. Betrachte ich dasselbe banale Setting mit einem 35-mm- oder 50-mm-Objektiv, sieht es auch beim Blick durch den Sucher nicht spannender aus. Bei der Brennweite von 50 mm muss dein Motiv also besonders faszinierend sein, damit du den Auslöser drückst.

Einfachheit als Grundprinzip

Ich gehe bei meinen Aufnahmen immer sehr sorgfältig und überlegt vor und verzichte auf Serienaufnahmen. Ich bevorzuge eine natürliche, humanistische Herangehensweise beim Fotografieren. Ich mache jeweils nur ein Bild. Jedes Mal, wenn ich den Auslöser drücke, muss es einen bestimmten Grund geben – etwas, das mich erstaunt oder überrascht.

Tomasz Tomaszewski Sony Alpha 7RM3 Küche in einer kenianischen Hütte mit aufgehängtem Fleisch

© Tomasz Tomaszewski | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/125s @ f/5.6, ISO 1250

Perfektion ist für mich, ein Bild auf das Wesentliche zu beschränken und dennoch eine bestimmte Aussage zu transportieren. Dies steht im Kontrast zur kommerziellen Fotografie, in der Bilder gestylt und Objekte innerhalb eines Frames verändert werden, Farben über die reale Farbtreue hinaus intensiviert werden. Ich möchte in meinen Bildern einen Zustand erreichen, in dem nichts am Bild verändert oder entfernt werden darf – das gilt auch für die Farbe. Ich möchte, dass die Farbe so perfekt und echt ist, dass dem Betrachter alles im Bild offensichtlich ist. Ich möchte mir ein Foto ansehen und es in einem Sekundenbruchteil verstehen.

Tomasz Tomaszewski Sony Alpha 7RM3 Schatten der Wäscheleine und ein pinkfarbener Flip-Flop

© Tomasz Tomaszewski | Sony α7R III + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/200s @ f/10, ISO 100

Um eine tolle Aufnahme zu gestalten, muss man Bildinhalte schaffen, die etwas Geheimnisvolles oder Metaphorisches enthalten. Diese versteckte Komponente wertet den Inhalt auf. Dasselbe gilt für die Fotografie. Die besten Bilder sind die, die unsere Vorstellungskraft berühren, Fragen aufwerfen, uns drängen, Schlussfolgerungen zu ziehen. Wenn alle Lösungen klar auf der Hand liegen und du dich nicht bemühen musst, wird das Bild keine tiefgreifende Wirkung auf dich haben.

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„Beim Fotografieren kommt es für mich nicht so sehr darauf an, was ein Bild darstellt und was darauf zu sehen ist, sondern vielmehr auf die Fragen, die sich der Betrachter stellt und die Überlegungen, zu denen es ihn anregt.“

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