Alpha Universe-Geschichte im Detail
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Unter schwierigen Umständen 

Andrea Frazzetta 

Ist es komisch, wenn sich ein Fotojournalist von einem spontanen Selfie im Internet inspirieren lässt? Vielleicht. Aber es sind ja auch ungewöhnliche Zeiten. Es gab sicher nicht viele Fotos in den letzten Monaten, die einen stärkeren Eindruck hinterlassen haben als das Selbstporträt von Alessia Bonari, einer Krankenschwester nach einer zwölfstündigen Schicht in einem stark von COVID-19 betroffenen Krankenhaus in Norditalien.

„Es war Mittwoch, der 11. März 2020“, erklärt der Fotojournalist Andrea Frazzetta. „Alessia hat mit ihrem Beitrag Millionen Menschen im ganzen Land erreicht. Die Abdrücke der Maske, die sie den ganzen Tag lang tragen musste, in ihrem Gesicht waren wie Wunden nach einer Schlacht. Für mich war das Bild das perfekte Symbol dafür, was in der Welt vor sich ging.“

Andrea Frazzetta Sony α 7RM3 Porträt einer Krankenhausmitarbeiterin in Italien

© Andrea Frazzetta | Sony α7R III | FE 24–70 mm F/2.8 GM | 1/250 Sek. @ F/6.3, ISO 400

„Mitte März hatte sich Norditalien zum Epizentrum der weltweiten COVID-19-Epidemie entwickelt“, fährt Andrea fort. „In der Lombardei, der westlichen Region, in der sich das Virus zuerst explosionsartig ausgebreitet hat, war aus einem finanziell gut aufgestellten, modernen Gesundheitssystem urplötzlich ein Kriegsgebiet geworden.“

Die Krise veranlasste Andrea Frazzetta zu dem Entschluss, so zu reagieren, wie es nur ein erfahrener Fotojournalist tun kann: mit einer eigenen Bilderserie, die von den historischen Anstrengungen im Kampf gegen dieses tödliche Virus zeugt. Es entstand eine Reihe beeindruckender Porträts, die während der schlimmsten Phase des Kampfes gegen COVID-19 in italienischen Krankenhäusern aufgenommen wurden. Diese Bilder wurden dann im New York Times Magazine veröffentlicht.

In den kommenden Wochen nahm Andrea Porträts von Mitarbeitern auf, die in den Krankenhäusern und Arztpraxen in Brescia, Bergamo und Mailand an vorderster Front kämpften.

„Die Idee entstand ganz instinktiv“, meint er. „Aber es ist auch ein sehr einfacher Impuls, den es bei vielen Foto- und Porträtarbeiten gibt: wir konzentrieren uns auf die Gesichter der Akteure einer Tragödie und erzählen so eine menschliche Geschichte und was es die Menschen kostet.“ 

Andrea Frazzetta Sony α 7RM3 Porträt einer Krankenschwester, die nach ihrer Schicht ihre Maske abnimmt

© Andrea Frazzetta | Sony α7R III | FE 24-70 mm F/2.8 GM | 1/250 Sek. @ F/4.5, ISO 400

Die Protagonisten in Andreas Serie waren „Rettungskräfte, Freiwillige, Reinigungspersonal, Pflegekräfte, Ärzte und Oberärzte. Insgesamt 30 Personen, die alle am Ende ihrer Schicht fotografiert wurden, wenn sie ihre Masken abnahmen. Ich wollte zeigen, wie müde und erschöpft sie waren, und in ihren Augen lesen, was sie geleistet hatten.“

Fotojournalisten wie Andrea arbeiten ständig im Schatten der Gefahr. Dies war zwar kein echtes Kriegsgebiet, aber die Bedrohung war ebenso real – nur unsichtbar. „Sicher war es gefährlich, aber wir haben alle erdenklichen Vorkehrungen getroffen. Bei unserer Arbeit besteht immer ein gewisses Risiko. Aber ich hatte auch Angst und war geschockt von dem Leid, das ich in den Gesichtern, die ich dokumentiert habe, erkennen konnte. Und ich hoffe, dass meine Angst auch in den Fotos zum Ausdruck kommt.“ 

Alle Porträts wurden „mit einer ganz einfachen Technik aufgenommen“, erklärt Andrea. „Ich hatte, getrennt von der Kamera, ein einzelnes HVL-F45RM-Blitzlicht mit kabelloser FA-WRC1M-Funksteuerung in der Hand. Es war wichtig, dass die Technik Zeit sparen konnte, aber sie sollte auch eine gewisse raue Ästhetik haben, die den Moment der Aufnahme widerspiegelte. Für mich ist die Möglichkeit, einen kleinen externen Blitz auslösen zu können, grundlegend für meine gesamte Arbeit.“ 

Andrea Frazzetta Sony α 7RM3 italienische Polizistin setzt ihre Maske auf

© Andrea Frazzetta | Sony α7R III | FE 24–70 mm F/2.8 GM | 1/125 Sek. @ F/3.5, ISO 400

Neben den situationsbedingt heftigen Emotionen gab es auch technische Herausforderungen. „Es ist nicht einfach, mit Schutzausrüstung zu fotografieren“, erklärt Andrea. „Die Maske, die Handschuhe, der Overall und vor allem die Brille waren im Weg. Man kann beispielsweise beim Fotografieren nicht durch den Sucher schauen, sondern muss den Monitor nutzen. Die Maske stellt noch eine zusätzliche psychologische Barriere dar. Dadurch, dass die Modelle meinen Gesichtsausdruck nicht sehen können, ist es schwierig, die Beziehung herzustellen, die normalerweise bei Porträts von grundlegender Bedeutung ist.“

Auch wenn es um das Projekt im Ganzen geht, hebt Andrea die Porträts von Monica Falocchi und Marco Rizzi als jene hervor, die ihn besonders bewegt haben. „Das Bild von Monica ist für diese Serie von besonderer Bedeutung“, sagt er. „Es hat es nicht nur auf das Cover des New York Times Magazine geschafft, sondern ist zu einem echten Symbol für den Widerstand im Angesicht der Katastrophe geworden.“ 

Das Bild von Monica, eines der ersten aus der Serie, „hat mir gezeigt, in welche Richtung es gehen musste“, sagt er. „Sie kam für einige Minuten aus der Intensivstation heraus, nahm ihre Maske ab und sah mich durch die Kamera hindurch direkt an. In diesem Blick lag all das Leid der vergangenen Nacht. Nachdem sie die Kamera klicken gehört hatte, setzte sie ihre Maske wieder auf und ging zurück zu ihren Patienten, weil sie sich dazu einfach verpflichtet fühlte.“ 

Andrea Frazzetta Sony α 7RM3 Porträt von Marco aus dem Papa Giovanni Krankenhaus in Italien

© Andrea Frazzetta | Sony α7R III | FE 24–70 mm F/2.8 GM | 1/250 Sek. @ F/5.6, ISO 400

Über Marco, den Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Papa Giovanni XXIII sagt Andrea: „Das Bild ist leicht verschwommen. Ich finde, es ist technisch nicht perfekt. Aber es fängt sämtliche Emotionen dieses Augenblicks in Marcos Augen ein. Außerdem ist es manchmal sogar besser, wenn etwas nicht perfekt ist. So können wir das Leben besser erkennen.“

Wie man sich vorstellen kann, mussten die Porträts deutlich schneller fertig werden als bei Andreas Arbeit üblich. Hinzu kam die persönliche Schutzausrüstung, die immer zwischen ihm und seinen Modellen stand. „Jedes einzelne dauerte zwar nur ein paar Minuten, aber in der kurzen Zeit entstand eine intensive Beziehung zu den Modellen“, erklärt er.

Andrea Frazzetta Sony α 7RM3 Porträt eines Chirurgen, der am Ende seiner Schicht seine Maske abnimmt

© Andrea Frazzetta | Sony α7R III | FE 24-70 mm F/2.8 GM | 1/250 Sek. @ F/4.5, ISO 400

Die Arbeit mit der Sony α7R III Kamera und einem FE 24–70 mm F/2.8 GM Objektiv war ebenso unverzichtbar für Andrea, weil er damit in dieser komplexen Situation schnell und effizient arbeiten konnte. „Diese Kombination ist einfach, schnell und zuverlässig. Das ist unerlässlich, weil wir diese Menschen nicht für mehr als ein paar Sekunden bei der Arbeit stören konnten. Die Fokussierung mithilfe der Gesichtserkennung war wesentlich, um noch schneller und präziser fotografieren zu können und der Fokusbereich von 24–70 mm ist für mich ideal. Damit bin ich, auch wenn ich mir ein Porträt vorstelle, beim Rahmen flexibel genug, um meine Modelle in einen Kontext zu stellen.“

Jetzt, wo sich abzeichnet, dass in Italien wieder das normale Leben einkehrt, hofft Andrea, dass seine Bilder einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Es bleibt weiterhin ein sehr wichtiges Projekt für mich – beruflich wie persönlich. Die Bilder wurden in ein dauerhaftes Archiv hier in Italien aufgenommen, in dem fotografische Arbeiten zur Pandemie gesammelt werden. Unter diesem Aspekt ist die Fotografie sehr wichtig. Die Erinnerung an diese Tage soll uns helfen, eine bessere Zukunft zu entwerfen. Ich weiß nicht, wie das Leben nach dem Virus aussehen wird, aber es wird nie wieder so sein wie zuvor.“ 

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„Die Fotografie ist für mich das ideale Werkzeug für Erkundungen. Mit ihr kann ich die Welt, andere Menschen und mehr von mir selbst entdecken. Mit jedem Foto nimmt man etwas, aber man bekommt auch etwas zurück, weil man an dem, was man aufnimmt, beteiligt ist und seine eigene Sichtweise ausdrückt. Jede Aufnahme ist so, als würde man Stellung in der Welt beziehen.“

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