Lichter an, Kamera an – los gehts!

Chris Raphael 

Selbst bei Filmen, in denen Tausende von Menschen vor der Kamera mitspielen, arbeiten noch immer deutlich mehr hinter den Kulissen, um die Produktion vom Konzept ins Kino zu bringen – und darüber hinaus. Dazu gehört auch der Stand- oder Set-Fotograf. 

„Meine Aufgabe“, sagt Chris Raphael, Set-Fotograf mit 15 Jahren Erfahrung, „ist es, die Bilder zu machen, die den Film verkaufen. Sie erscheinen in Zeitungen oder Magazinen und sogar auf Kinopostern oder im Artwork von DVDs und Blu-rays.“

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© Chris Raphael/Sony Pictures Television | Sony α6300 + 24-70mm f/2.8 GM | 1/640s @ f/5.0, ISO 1000

Die Aufnahmen des Set-Fotografen sind so wichtig, weil ihre Bildqualität die der Filmkameras deutlich übertrifft. Deshalb können sie sehr stark vergrößert werden. Set-Fotografen wie Chris haben nicht nur die Aufgabe, Porträts der Schauspieler anzufertigen. Hauptsächlich ist er während des Drehs am Set und fotografiert die Szenen, aber auch Motive hinter den Kulissen.

Das klingt wie ein Traumjob, und wenn man so filmbegeistert ist wie Chris, ist er das wohl. Aber die Arbeit ist auch hart. Die Tage sind lang, die Filmaufnahmen unvorhersehbar, und man hat nur wenige Sekunden, um die benötigten Bilder hinzubekommen. Ein gutes Beispiel dafür sind die „Specials Shoots“ oder auch „Gallery Shoots“, bei denen klassische Filmstar-Porträts entstehen.

 

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© Chris Raphael | Sony α7R II + 85mm f/1.8 | 1/125s @ f/5.0, ISO 1250

„Die Produktionsfirma legt einen Zeitpunkt fest, an dem die meisten Schauspieler im Einsatz sind, und wir richten ein mobiles Studio ein, sodass wir sie nach ihren Szenen fotografieren können. Die Filmgesellschaft bezahlt ihnen die Zeit nicht, und die Generatoren, Assistenten, Lichter kosten auch Geld … Du musst also in kurzer Zeit etwas Gutes zustande bringen. Das macht ganz schön Druck, aber er fühlt sich gut an!“

Wie arbeitet also ein Fotograf am Set? Wie geht er vor, wenn alle anderen auch bei der Arbeit sind? „Normalerweise stelle ich mich selbst direkt neben die A-Kamera. Das ist die wichtigste Position, für die das Set in erster Linie ausgeleuchtet ist und vor der sich die Haupthandlung abspielt. Das sind die wichtigsten Bilder, die es einzufangen gilt – die Bilder, die den Film zusammenfassen. Egal, ob es sich um einen flüchtigen Moment oder eine Reaktion handelt, dort kannst du alles einfangen.“

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© Chris Raphael | Sony α7R II + 55mm f/1.8 ZA | 1/125s @ f/3.2, ISO 4000

„Wenn ich finde, dass ich mit einer Szene fertig bin“, sagt Chris, „versuche ich, noch eine Aufnahme aus einem anderen Winkel zu machen, oft in der Nähe der B-Kamera, oder ich mache mich auf die Suche nach guten Behind-the-Scenes-Motiven.“

Das Fotografieren hinter den Kulissen macht nur 5 Prozent seiner Arbeit aus, aber Gelegenheiten gibt es immer viele. „Wenn die Aufstellung der Filmkräne und Scheinwerfer ein gutes Motiv hergibt, gehe ich ein paar Schritte zurück und mache eine Weitwinkelaufnahme“, erzählt Chris. „Oder ich fotografiere die Kameraleute, einen Tonassistenten im Gegenlicht oder den Regisseur, wie er mit den Produzenten konzentriert vor den Bildschirmen steht. Fotos von Regisseuren, wie sie mit Schauspielern interagieren, sind bei den Filmgesellschaften besonders beliebt. Aber man muss es richtig machen. Es sind ernste Situationen, die man nicht stören darf.“

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© Chris Raphael | Sony α7S II + 85mm f/1.8 | 1/160s @ f/3.2, ISO 6400

„Das bringt uns zu einem der wichtigsten Dinge, die ein Set-Fotograf beachten muss“, erklärt Chris – nämlich unsichtbar und lautlos zu sein. Bei beidem hilft ihm neben seiner jahrelangen Erfahrung seine α7R IIIs.

„Es ist gut, neben dem Kameramann zu stehen, aber als Standfotograf sollte man nicht in der Sichtlinie des Schauspielers stehen. Wenn du ihn durch die Kamera anstarrst, kann ihn das ablenken. Der ausklappbare Bildschirm ist in solchen Fällen wirklich nützlich. Ich kann mich hinter dem Ton- oder Kameraassistenten verstecken und von dort aus fotografieren. Ich kann sogar per Fernbedienung fotografieren.“

Wenn es auf geräuschloses Arbeiten ankommt, kommt der Lautlos-Modus der α7R III zum Zug. „Früher hatten wir sogenannte Blimps“, erklärt Chris. „Das sind große, schalldichte Kameragehäuse. Sie waren nie das Wahre, man konnte nur etwa 60 Prozent des Bildes sehen und weder Belichtung noch Fokus anpassen, außerdem waren sie unhandlich und schwer. Ich habe sie zehn bis zwölf Jahre lang verwendet, aber als dann spiegellose Kameras mit geräuschlosem Verschluss herauskamen, war das eine Entlastung im wahrsten Sinne des Wortes.“

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© Chris Raphael | Sony α7R II + 24-70mm f/2.8 GM | 1/125s @ f/2.8, ISO 800

Ist die Aufgabe eines Set-Fotografen also einzig und allein, die Produktion zu dokumentieren? Oder können Fotografen wie Chris auch ihre Kreativität einbringen? „Es gibt definitiv Raum für kreativen Ausdruck“, meint Chris. „Aber bis zu einem gewissen Punkt geht es wirklich fast nur um Dokumentation. Sobald ich die wichtigsten Einstellungen und Aufnahmen in verschiedenen Größen habe, kann ich etwas mehr mein Ding machen.“ Da Set-Fotografen im Hinblick auf Licht und Komposition gewissen Einschränkungen unterliegen, zeigt sich Chris’ Handschrift hauptsächlich in Variationen der Tiefenschärfe und Verschlusszeit, die einzelne Bilder herausstechen lassen.

Zum Beispiel bei Aktion-Sequenzen: „Wenn ich eine Schlägerei oder eine Verfolgungsjagd fotografiere, will ich nicht einfach eine Belichtungszeit von 1/500 oder 1/1000 nehmen und eine starre Aufnahme machen“, erklärt er. „Ich will die Energie zeigen, die Bewegungsunschärfe beim Zuschlagen, aber gleichzeitig das Gesicht im Fokus behalten. Deswegen gehe ich auf 1/60 herunter. Genauso bei schnellen Autos. Anstatt die Szene einzufrieren, was statisch und langweilig wirkt, ziehe ich die Kamera mit, um die Bewegung sichtbar zu machen. Das ist einfach ein bisschen spannender.“

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© Chris Raphael | Sony α7S II + 24-70mm f/2.8 GM | 1/320s @ f/4.0, ISO 6400

Chris’ Ansatz im Hinblick auf bewegte Filmmotive geht auf seine Erfahrungen in der Sportfotografie zurück. Seine jahrelange Arbeit als Porträt- und Modefotograf hingegen hilft ihm dabei, Schauspielerporträts im Stil von Studioarbeiten zu machen. „Ich war bei einer großen Sportagentur und kam irgendwie dazu, Porträtfotografen zu assistieren. Ich hatte schon Aufnahmen für eine Theatergesellschaft gemacht, und über Freunde bekam ich die Chance, bei einem Filmdreh in London (Love and Other Disasters) zu fotografieren. Ab da wurden es mehr und mehr Filmaufträge. Es gefällt mir, weil man jedes Mal etwas anderes fotografiert und mit tollen Teams zusammenarbeitet.“

Sein breites Erfahrungsspektrum hilft Chris dabei, mit verschiedenen Motiven und Situationen am Filmset umzugehen. „Bei jedem Job ist es eine andere Mischung aus schwierigen Lichtverhältnissen, Porträts, Action und Landschaften. Wenn man Erfahrung hat, kann man sich schneller anpassen und verpasst keine Aufnahme, was wirklich entscheidend ist. Denn das Filmunternehmen gibt vielleicht Millionen Dollar für eine Szene aus und kann sie nicht wiederholen, nur weil du gerade auf deine Kamera geschaut hast. Du musst wissen, welche Verschlusszeit und welches Objektiv du brauchst, und bereitstehen. Für Fehler ist keine Zeit!“

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Großbritannien

Die Standfotografie ist der beste Bereich, in dem ich bisher gearbeitet habe. Jeder Tag am Set ist anders und die Arbeit macht noch immer Spaß.

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