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Das Leben eines Musikproduzenten

Fragerunde mit Chuck Ainlay, dem mit dem Grammy ausgezeichneten Musikproduzenten

Wie fühlt es sich an, wenn man einen Song vom Konzept in die Billboard Charts begleitet? Musikproduzent Chuck Ainlay nimmt uns mit hinter die Kulissen eines Aufnahmestudios und spricht von seinen persönlichen Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Künstlern wie Mark Knopfler, Lee Ann Womack, George Strait und Taylor Swift. Erfahren Sie außerdem, wie der Tag eines mit dem Grammy ausgezeichneten Musikproduzenten aussieht.

F: Was hat Sie inspiriert, Musikproduzent zu werden?

Ainlay: Als kleiner Junge habe ich mir oft die Rückseiten der Alben angesehen und gelesen, wer alles an dem Album mitgearbeitet hat. Ich dachte mir immer, wie cool es doch ist, wenn man bei so einem Album beteiligt ist. Können Sie sich vorstellen, wie großartig es sich anfüllen muss, George Martin zu sein und sagen zu können, dass man die Beatles produziert hat?

F: Wie sieht ein typischer Tag eines Toningenieurs aus?

Ainlay: Es gibt eigentlich keinen typischen Tag. Und genau das gefällt mir so gut. Mit einem ganzen Raum voller Musikern zusammenzuarbeiten und somit einen Song Leben einzuhauchen, dafür lebe ich. Aber manche Tage können durchaus eher monoton und absolute Routine sein. Das Abmischen ist ein anderer Bereich, wo man sich in der Musik verlieren kann. Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis man nach einem ganzen Tag vom Abmischen zurück in die Realität gelangt.

F: Was ist Ihr Lieblingsalbum, das Sie selbst produziert haben?

Ainlay: Mein Lieblingsalbum ist immer das letzte, das ich gerade produziert habe. Also aktuell „Cold Beer Conversation“ von George Strait. Aber es ist schwer, einen Favoriten auszumachen. Einige dieser Alben waren kommerziell gesehen äußerst erfolgreich und das ist auch gut so. Aber es gibt auch Alben, die niemand oder nur wenige Leute hören werden, die auch großartig sind. Es ist fantastisch, wenn man mit Leuten zusammenarbeitet, die einen einfach umhauen, wenn sie ins Studio kommen.

F: Gibt es da konkrete Beispiele?

Ainlay: Da fällt mir ein Moment vor ein paar Jahren ein, als ich am Album von Lee Ann Womack gearbeitet habe. Die Band hat gerade für den ersten Song des Albums geprobt, als Lee Ann ins Studio kam. Sofort als sie mit dem Singen begann, bekam ich wirklich Gänsehaut. Auch die Band hat von ihrer Energie profitiert. Die ganze Woche war einfach magisch. Das war damals das Album „The Way I'm Living“, das auch für den Grammy in den Kategorien „Best Country Album“ und „Best Engineered Non-Classical Album“ nominiert war.

F: Wie ist es, wenn man Künstlern dabei zusieht, wie sie ihre Musik erschaffen?

Ainlay: Ich werde nie vergessen, als ich das erste Mal mit den Dire Straits und Mark Knopfler zusammengearbeitet habe und ich mich um die Gitarren-Overdubs gekümmert habe. Damals dachte ich so bei mir 'Mark Knopfler ist einer der größten Gitarristen aller Zeiten und er sitzt gleich nebenan und fabriziert dieses fantastische Solo'.

F: Mit wem arbeiten Sie lieber zusammen? Mit den großen Namen oder eher mit Newcomern?

Ainlay: Sowohl als auch. Man hat es wirklich geschafft, wenn man das Album eines renommierten Künstlers produzieren darf. Aber in unserer Branche geht es vor allem auch darum, bisher unentdeckte Künstler zu produzieren. Ich erinnere mich noch gut, als ich damals das erste Album von Taylor Swift produziert habe. Die war damals gerade einmal 16 Jahre alt. Ich habe meiner Frau von diesem jungen Mädchen erzählt, die sicherlich ein großer Star werden würde. Es sind genau solche Alben, die deine Karriere voranbringen und am Leben erhalten.

F: Wie hat es sich angefühlt, den ersten Grammy zu gewinnen?

Ainlay: Ich werde den Moment nie vergessen, als ich erfahren habe, dass ich den Grammy für das beste Surround Sound Album gewonnen habe. Ich war damals gerade mit einigen Freunden in Utah beim Skifahren. Am Abend, als wir gerade im Whirlpool entspannten, kam der Anruf von einem Freund, der mir die gute Nachricht überbrachte. Ich war ohne Frage an diesem Abend der coolste Typ im Whirlpool.

F: Was ist so speziell an High-Resolution Audio?

Ainlay: Dank High-Resolution Audio können sich die Leute die Musik herunterladen und die Musik zuhause oder auf einem tragbaren Gerät hören – und zwar genau so, wie sie im Studio aufgenommen wurde. Die langweiligen, datenkomprimierten MP3-Dateien gehören somit der Vergangenheit an. Dank der hohen Abtastrate und Bittiefe hört man die Musik genau so, wie sie im Studio aufgenommen wurde.

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